„Das wäre ja nichts für mich“ – Von schlechten Zuhörern und der Kunst, ein Gespräch zu boykottieren

 

Kennst du diese Situation? Du erzählst von einem Erlebnis oder einem neuen Hobby – vielleicht auch bloß, um ein Gespräch anzufangen – und der Gesprächspartner entgegnet „Das wäre ja nichts für mich!“. Bam! Gespräch im Keim erstickt. Die Erzählungen der eigenen Erlebnisse jetzt noch fortzuführen macht absolut keinen Sinn mehr, denn mein Gegenüber hat mir soeben deutlich zu verstehen gegeben, dass er/sie kein Interesse am Thema hat. Alternativvorschläge? Auch nicht der Fall. Gut, dann können wir ja auch wieder über’s Wetter quatschen.
Charaktere dieser Art haben oft eines gemeinsam: Sie bewegen sich in ihrer Blase und glauben an ihre Wahrheit, sie verlassen nie ihre Komfortzone und sind dementsprechend offen für Veränderung und neue Denkanstöße – nämlich gar nicht. Glücklicherweise habe ich in meinem Umfeld keine bis wenig dieser Menschen. Mein regelmäßiger Redebedarf über neue Ideen, Pläne und Erlebnisse stößt also glücklicherweise nur selten auf Ablehnung. Doch wie frustrierend muss es sein, wenn man solche Charaktere im engen Freundeskreis oder – noch schlimmer – in seiner eigenen Familie hat? Eine Freundin erzählte mir kürzlich davon, dass genau dies bei ihr der Fall sei. Wie soll man mit so etwas umgehen? Ist es angebracht, den entsprechenden Personen mitzuteilen, dass es unhöflich und frustrierend ist, wenn sie von Anfang zum Ausdruck bringen, dass sie das eigene Interesse an einem Thema in keinster Weise teilen? Sicher, auch für mich gibt es Themen, mit denen ich absolut nichts anfangen kann. Kosmetik zählt beispielsweise dazu. Aber dennoch verschließe ich mich nicht sofort, wenn jemand beginnt, mir etwas von den neusten Make-up-Trends zu erzählen. Klar, früher oder später gebe ich zu verstehen, dass ich mich für Fashion und Make-Up nicht so begeistern kann, wie mein Gegenüber. Doch zumindest versuche ich dann, das Gespräch am Laufen zu halten, indem ich beispielsweise einbringe, dass ich froh darüber bin, nicht die Notwendigkeit zu verspüren, jeden Morgen bevor ich das Haus verlasse, Make-up aufzutragen. Joa, das ist ganz schön kontrovers, aber so wird der für mich gerade noch unbedeutende Smalltalk zu einem schon tiefgründigeren Gespräch darüber, was es über einen aussagt, wenn man eben genau diese Notwendigkeit verspürt. Quasi eine win-win-Situation, denn wir sind weder vom Thema abgekommen, noch ist nur eine Partei an dem Gespräch interessiert.

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